Worth a sho(o)t! Steuer- und Anreizmodelle in Nordeuropa

Rückblick: Präsentation und Case Study bei den "Lübeck Meetings"


Filminstitute aus Skandinavien und dem Baltikum mit den Veranstaltern der "Lübeck Meetings 2017" © Nordische Filmtage Lübeck
Filminstitute aus Skandinavien und dem Baltikum mit den Veranstaltern der "Lübeck Meetings 2017" © Nordische Filmtage Lübeck

Zu den Nordischen Filmtagen treffen sich Jahr für Jahr Filmemacher, Produzenten und Filminstitute der skandinavischen und baltischen Länder in Lübeck. Zahlreiche Koproduktionen laufen im Programm des fünftägigen Festivals, aber wie finanzieren sich europäische und internationale Koproduktionen, deren Budgets oft größer sind als die nationalen Fördermöglichkeiten. Steueranreize und Cash rebate Systeme heißen die Zauberworte. Grund genug, einen Blick auf die verschiedenen Modelle der einzelnen Länder zu werfen.

Vertreter der Filminstitute aus Estland, Finnland, Island, Litauen, Lettland und Norwegen waren bei der Veranstaltung im Rahmen der "Lübeck Meetings" am Festivalfreitag anwesend, für Deutschland saß Maria Köpf von der FFHSH auf dem Podium. All diese Länder haben interessierten ausländischen Produktionen viel zu bieten - von beeindruckender Landschaft über eine verlässliche Film-Infrastruktur bis hin zu Steuer- und anderen Sparmodellen, die auf unterschiedliche Weise funktionieren. In der Regel gibt es zwischen 20 und 30 Prozent Rabatt auf die im entsprechenden Land ausgegebene Summe. Die Förderung erfolgt automatisch, sofern die Förderkritierien erfüllt sind und noch Geld in den Töpfen vorhanden ist. Voraussetzung ist, dass man einen Koproduzenten oder zumindest eine Service-Produktion des entsprechenden Landes an Bord hat.

Leningrad Sinfonie in Litauen
Produzent Reinhardt Beetz (Gebrueder Beetz Filmproduktion) und Regisseur Carsten Gutschmidt stellten anschließend ihr Dokudrama "Leningrad Sinfonie" vor. Die internationale von MEDIA unterstützte Koproduktion, an der zehn Länder beteiligt sind, schildert die Tragödie der Leningrad-Blockade aus der Perspektive der Belagerten und der Belagerer und zeigt den grausamen Alltag einer Stadt, die dem Tode geweiht scheint. Entstanden ist der Film unter anderem mit Hilfe von Anreizmodellen aus Lettland, Litauen und Norwegen.

"Es geht hier nicht nur um Geld", so Beetz, "sondern vor allen Dingen um die Expertise, um Artwork und Production Value. So konnten wir an vielen passenden Motiven drehen, wie zum Beispiel dem Militärmuseum, weiteren Originalschauplätzen wie einem Konzerthaus und einem alten Dorf, in dem das Gefühl aufkam, die Zeit sei stehengeblieben. In Vilnius und Umgebung haben wir circa die Hälfte des Films gedreht. Und das Orchester, nach dem wir so lange gesucht haben, haben wir schließlich in Riga gefunden - das Latvian National Orchestra unter der Leitung von Edgars Saksons."

In Litauen funktioniert das System als Tax Shelter Modell. Ein litauischer Investor gibt Geld in das Projekt und bekommt dieses später bei der Steuer erlassen. Großer Vorteil für den Produzenten: das Geld kommt direkt und ist somit als Gap Financing gut geeignet. Das Cash Rebate System aus Lettland wurde hingegen eingesetzt, um mit Hilfe des dortigen Koproduzenten besagtes Orchester nach Litauen zu transportieren und für mehrere Drehtage bezahlen zu können.

Sparmodelle haben demnach so viel mehr zu bieten als nur Bares - sie sorgen für eine zusätzliche Internationalisierung und Professionalisierung der nationalen Filmlandschaft.

Die vorgestellten Anreizmodelle zum Nachschlagen: Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen und Norwegen.

Die Veranstaltung fand statt auf Einladung von Creative Europe Desk Hamburg, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und den Nordischen Filmtagen Lübeck.

report_new-approaches-for-greater-diversity-of-cinema-in-europe_thomas-paris_may20142-0830.pdf