Die Lebenden reparieren

Von Katell Quillévéré, Wild Bunch Germany, 23.11.




Als Vorlage für ihren dritten Spielfilm wählte Katell Quillévéré ("Die unerschütterliche Liebe der Suzanne", "Ein starkes Gift") den Roman "Die Lebenden reparieren" von Maylis de Kerangal, der 2015 in Frankreich zum Bestseller avancierte und mit Literaturpreisen überschüttet wurde. 24 Stunden aus dem Leben einer Hand voll Menschen, die durch das Unfallkoma eines jungen Mannes in Extremsituationen gestürzt werden; ein faszinierender Wettlauf mit der Zeit, der allen Beteiligten emotional so zusetzt, wie bis dahin kein anderes Ereignis in ihrem Leben.

Als Simon am frühen Morgen mit zwei Freunden zum Surfen aufbricht, kann niemand etwas von der drohenden Tragödie ahnen: Ein schwerer Autounfall verändert auf einen Schlag das Leben des Teenagers. Auch seine Eltern in der Hafenstadt Le Havre müssen plötzlich Entscheidungen treffen, deren weitreichende Konsequenzen sie an ihre Grenzen führen. Unterdessen erfährt die zweifache Mutter Claire in Paris, dass ihr schwaches Herz zu versagen droht, wenn nicht umgehend etwas unternommen wird. Den Ärzten und dem medizinischen Fachpersonal in beiden Städten läuft die Zeit davon. Und so wird sich in den nächsten Stunden zeigen, auf welche Weise diese Menschen untrennbar miteinander verbunden sind und wie drei scheinbar zusammenhanglose Stränge einer Geschichte in einen gemeinsamen Kampf münden: den leidenschaftlichen Kampf ums Leben…
"Die Lebenden reparieren" ist Drama von visueller Kraft und verstörender Tiefgründigkeit. Dazu trägt besonders das herausragende, bis in kleine Nebenrollen namhaft besetzte Ensemble bei, dem auch internationale Stars wie Tahar Rahim ("Heute bin ich Samba", "Ein Prophet") und Emmanuelle Seigner ("Venus im Pelz", "In ihrem Haus") angehören. Ihrer subtilen Darstellung und dem besonderen Gespür der jungen Regisseurin im Umgang mit dem heiklen Thema ist es zu verdanken, dass die melancholische Geschichte viel menschliche Wärme und mehr als einen Funken Optimismus ausstrahlt.