Start für neuen Garantiefonds von Europäischer Kommission und EIF

Die Europäische Kommission und der Europäische Investitionsfonds (EIF) haben ein 121 Millionen schweren Garantiefonds aufgelegt, der es Finanzinstituten erleichtern soll, kleine und mittlere Unternehmen im Kultur- und Kreativsektor zu unterstützen. An diesen Garantiefonds ist die Erwartung geknüpft, dass die Banken in den kommenden sechs Jahren Darlehen in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Dank der Initiative kann der EIF ausgewählten Finanzmittlern kostenlose Bürgschaften und Rückbürgschaften bieten, damit sie Unternehmern im kulturellen und kreativen Bereich mehr Kredite gewähren können. Geschäfts- und Privatkundenbanken, Förderbanken und andere Finanzmittler, die die 121-Millionen-Euro-Bürgschaften in Anspruch nehmen, werden so mehr als zehntausend kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in vielen verschiedenen Bereichen unter die Arme greifen, z. B. im audiovisuellen Bereich (Film, Fernsehen, Trickfilm, Videospiele und Multimedia), aber auch auf den Gebieten Festivals, Musik, Literatur, Architektur, Archive, Bibliotheken und Museen, Kunsthandwerk, Kulturerbe, Design, darstellende Kunst, Verlagswesen, Hörfunk und bildende Kunst.

Der im Rahmen des Programms Creative Europe geschaffene Garantiefonds wird vom EIF im Namen der Europäischen Kommission verwaltet. Europäische KMU sollen schon ab Ende dieses Jahres von dem Garantiefonds profitieren können.

Der für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Kommissar Günther H. Oettinger: "Kreative Köpfe und Unternehmen müssen experimentieren und Risiken eingehen, um sich zum Nutzen unserer Wirtschaft und Gesellschaft entfalten zu können. Wir helfen ihnen, die Bankkredite zu bekommen, die sie normalerweise nicht bekommen würden."

Der stellvertretende EIF-Chef Roger Havenith ergänzte: "Unternehmen dabei zu helfen, ihre Geschäftstätigkeit auszudehnen und sich über den Markt zu finanzieren, sind wichtige Punkte auf der Tagesordnung der Europäischen Kommission. Absicherung gegen Kreditrisiken und Kapazitätsaufbau bei Geldgebern sind zwei wesentliche Voraussetzungen für die KMU-Unterstützung in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Bürgschaftsfazilität für den Kultur- und Kreativsektor, die wir heute auf den Weg bringen, wird kleinen und mittleren Unternehmen - von Film und Festival bis zu Musik und Museum - in ganz Europa bei ihrer Gründung und Entfaltung helfen."

Auf die Kultur- und Kreativbranchen entfallen über 7 Mio. Arbeitsplätze in der EU und 4,2 % des BIP der EU. Der Zugang zur Finanzierung ist für sie häufig schwierig, was vor allem auf ihre eher immateriellen Vermögenswerte und Sicherheiten, die geringe Marktgröße, die unsichere Nachfrage und mangelnde Sachkenntnis der Finanzmittler bezüglich der Besonderheiten dieser Branchen zurückzuführen ist.

Der neue Garantiefonds für den Kultur- und Kreativsektor umfasst daher auch Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau für Finanzmittler, um ihnen gezielt Fachwissen über die Hauptmerkmale dieses Sektors zu vermitteln (z. B. besondere Geschäftsmodelle und die Beurteilung von Kreditrisiken in diesen Branchen). Den Kapazitätsaufbau sollen ein oder mehrere hierauf spezialisierte Anbieter übernehmen, die vom EIF auf der Grundlage einer offenen Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen auswählt werden (z. B. ein Beratungsunternehmen, das sich auf die Arbeitsweise des Kultur- und Kreativsektors spezialisiert hat). Diese Schulungen werden für die Finanzmittler kostenlos sein.

Der EIF wird eine Aufforderung zur Interessenbekundung veröffentlichen, auf die sich die in Frage kommenden Finanzinstitute (Banken, Garantieeinrichtung, Fonds usw.) bewerben können. Im Anschluss an ein sorgfältig durchgeführtes Auswahlverfahren wird der EIF die Finanzmittler auswählen, die die neuen Finanzmittel dann an KMU in den anvisierten Sektoren vergeben können. Die Finanzmittler werden ausführlich über die Finanzprodukte, die sie den KMU anbieten, und über deren Inanspruchnahme Bericht erstatten müssen.

Die Initiative ist Teil der Bemühungen der Kommission zur Förderung von Investitionen und eines klügeren Einsatzes neuer und bereits vorhandener Finanzmittel, was auch das Ziel der Investitionsoffensive für Europa ist. Außerdem ergänzt sie die Arbeiten, die im Zuge der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt unternommen werden, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Kultur- und Kreativwirtschaft insgesamt und insbesondere kleinere Unternehmen im digitalen Zeitalter entfalten können.

Der EIF
Hauptaufgabe des Europäischen Investitionsfonds (EIF) ist es, Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa zu unterstützen, indem er ihnen den Zugang zu Finanzierungsmitteln erleichtert. Der EIF konzipiert und entwickelt Modelle für Risiko- und Wachstumskapital, Bürgschaften und Mikrofinanzierungsinstrumente, die speziell auf dieses Marktsegment zugeschnitten sind. In dieser Funktion fördert der EIF die Ziele der EU in den Bereichen Innovation, Forschung und Entwicklung, unternehmerische Initiative, Wachstum und Beschäftigung.

Der Garantiefonds für den Kultur- und Kreativsektor
Der neue Garantiefonds wurde im Rahmen des branchenübergreifenden Aktionsbereichs des Programms Creative Europe eingerichtet und ist das erste seiner Art mit einem derart weiten Anwendungsbereich in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Es dient den gleichen Zielen wie der KMU-Teil des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), der den Motor der Investitionsoffensive für Europa bildet: eine größere Kreditvergabe an KMU, damit diese ihre Geschäftstätigkeiten ausweiten können.

Weitere Informationen: europa.eu